• Beitrag von Dr. med. Simon Feldhaus Allgemeinarzt/Komplementärmediziner - Präsident SSAAMP

Impfungen können wichtige Behandlungsverfahren bei infektiösen Krankheiten und sehr erfolgreich sein. Zentral muss aber das Prinzip der Impfstoffsicherheit sein, denn bei negativen Folgen kann das Vertrauen in das Prinzip der Impfung stark gestört werden. Daher ist es wichtig ausreichende Informationen über die zur Verfügung stehenden Impfungen zu erhalten um unter Abwägung aller Argumente für und gegen eine Impfung eine individuelle Entscheidung treffen zu können. 

In diesem Text soll der aktuelle Stand des Wissens zum Thema Impfungen bei Covid 19 zusammengefasst werden. SARS-CoV-2 gehört zur Familie der Corona Viren. Das virale Genom liegt bei diesen nicht als DNA (Desoxyribonukleinsäure), sondern als RNA (Ribonukleinsäure) vor. Der erste Kontakt mit dem menschlichen Körper findet in den Schleimhautzellen des Atemtraktes statt, da dort sehr viele Aufnahmestellen (sogenannte Rezeptoren) vorhanden sind. Für das SARS-Cov-2 Virus sind die sogenannten ACE2 Rezeptoren relevant. Nach dem Eintritt in die Wirtszelle kommt es dort zur Expression der sogenannten Boten-RNA (mRNA für "Messenger RNA"). Dann wird die Zelle letztendlich umprogrammiert um dann neue Viren zu produzieren, was zur Ausbreitung des Virus führt. Dazu wird zwingend der Prozess der sogenannten Proteinbiosynthese, also der Eiweissherstellung in der Zelle benötigt. 

Impfungen zielen darauf ab, das Virus mit Hilfe des körpereigenen Immunsystems zu zerstören. Dazu gibt es verschiedene Ansätze:

Die klassischen Impfungen sind sogenannte aktive Immunisierungen. Sie nutzen das Immungedächtnis des Körpers. Für eine Schutzimpfung injiziert der Arzt abgeschwächte oder abgetötete Erreger oder auch lediglich bestimmte Bausteine davon. Der Körper bildet da-raufhin Antikörper und Gedächtniszellen und baut so einen Immunschutz auf. Dieser wirkt dann auch gegen den "echten" Keim und bekämpft ihn, sobald er auftaucht. Der aktive steht der passiven Immunisierung gegenüber. Dabei verabreichen Mediziner direkt Antikörper gegen einen bestimmten Erreger. Sie stammen beispielsweise von Menschen, die die Erkrankung bereits durchgemacht haben. Die Antikörper leisten erste Hilfe zur Abwehr einer akuten Infektion: Sie helfen unmittelbar, wenn sich jemand bereits infiziert hat. Die passive Impfung bewirkt aber nicht, dass sich ein langfristiger Immunschutz aufbaut.

Die aktuell diskutierten Impfstoffe im Bereich der Covid19 Erkrankung sind Nukleinsäure-basierte Impfstoffe, wie virale Vektoren, Plasmid-DNA (pDNA) und Messenger RNA (mRNA) und gehören somit zu den aktiven Immunisierungen. Bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden von pharmazeutischen Unternehmen 18 RNA- und 11 DNA-basierte Impfstoffstudien für eine Immunisierung gegen COVID-19 angemeldet (von 132). Hinzu kommen 33 virale Vektorimpfstoffe, bei denen durch Manipulation eines Trägervirus ebenfalls eine Übertragung von DNA oder RNA stattfindet.

Die mRNA-Impfstoffe geben einigen Körperzellen Teile der Virus-Erbinformationen als RNA mit. Sie liefern auch den Bauplan für einzelne Virusproteine. Diese werden als Antigene bezeichnet. Sie aktivieren das Immunsystem und sollen so die schützende Immunantwort erzeugen. Diese mRNA wird mit Hilfe gentechnischer Verfahren in einem komplizierten Mechanismus erzeugt, nicht etwa aus dem Corona Virus gewonnen wie es manchmal dargestellt wird. Zudem mussten bei der mRNA-Impfung noch einige Hürden überwunden werden. So ist z. B. nackte mRNA sehr instabil und muss vor Verabreichung noch geschützt werden. Dies gelingt beispielsweise mit sogenannten Lipid-Nanopartikeln (LNPs). Da diese Schutzhülle sehr empfindlich ist, muss der Impfstoff einerseits bei niedrigen Temperaturen gelagert werden und muss äusserst sorgsam behandelt werden, damit er nicht beschädigt und somit allenfalls unwirksam wird. Dies erklärt die teilweise sehr aufwendigen logistischen Maßnahmen für die Impfungen. 

Die Herstellung dieser Impfstoffe besteht auch zusammengefasst aus Nanotechnologie und genetischer Modifikation. Die DNA-Technologie nutzt sogenannte Plasmide, ringförmige und doppelsträngige DNA-Moleküle. Diese stammen im Regelfall ursprünglich von Bakterien oder werden synthetisch hergestellt. 

Diese DNA-Plasmide werden direkt über die Impfung appliziert, dies kann auch über die Nase oder durch Druck über die Haut passieren. Diese DNA wird dann in den menschlichen Zellen in mRNA kodiert, danach läuft der gleiche Prozess ab wie bei den mRNA-Impfungen.

Allerdings sind hierzu Integrationsmechanismen erforderlich, die ein Risiko aufbauen, dass die geimpfte DNA in die menschliche DNA dauerhaft integriert wird. Ein solcher Impfstoff wird von der Firma Inovio aktuell entwickelt. 

Eine dritte Variante sind die sogenannten Viralen Vektor-Impfstoffe, hier ist der Impfstoff der Firma AstraZeneca aktuell sehr gut bekannt. Bei dieser Technik wird mit gentechnisch modifizierten Trägerviren die Information für die Bildung des viralen Proteins in die Zellen eingeschleust. Beim Impfstoff der Firma Astra Zeneca ist dies ein DNA-Adeno-Virus. Der biologischen Wirkung liegen auch sehr komplizierte sogenannte Integrationsmechanismen in der Zelle zugrunde, was ein gewisses Risiko erzeugt, dass sich die DNA des Virus dauerhaft in das menschliche Genom integriert, diese Wahrscheinlichkeit wird mit bis zu 1% angegeben. Alle diese Techniken sind gut bekannt, allerdings gab es bisher keinerlei Impfstoffe gegen Krankheiten die auf diesen Techniken beruhen. 

Die Covid19 Impfstoffe sind somit komplette Neuentwicklungen, man konnte also auf KEINE Vorerfahrung setzen. Daher erscheint es notwendig, die üblichen Sicherheitsabläufe bei der Entwicklung von Impfungen auch hier sorgsam anzuwenden. Umso mehr muss es erstaunen, dass beispielsweise durch den Virologen Christian Drosten bereits im März 2020, also in einer sehr frühen Phase der Entwicklung, gefordert wurde, man solle die bisher gültigen Regularien für Impfstoffe außer Kraft setzen. 

Üblicherweise muss ein Kandidat vor der Zulassung drei klinische Prüf-Phasen erfolgreich durchlaufen. Erst die Phase 3 dient der Feststellung von Langzeitwirkung sowie zeitverzögerten Nebenwirkungen und dauert typischerweise 4-6 Jahre. Nachdem in dieser Phase ausreichend lange Follow-up-Zeiträume nötig sind, kann jede Verkürzung zu einem höheren Risiko, dass eine Langzeitnebenwirkung übersehen wird, führen. Verkürzungen in den klinischen Phasen bergen insbesondere das Risiko, dass zeitverzögerte Nebenwirkungen erst erkannt werden, nachdem der Impfstoff bereits breitenwirksam angewendet wurde. 

Genau dieses Vorgehen wurde dann durch Bill Gates im April 2020 insbesondere für die RNA Impfstoffe, in welche die Bill&Melinda Gates Stiftung seit vielen Jahren investiert, gefordert. 

Ziel war durch die sogenannte Teleskopierung der Studien die Prüfphasen auf maximal 18 Monate zu verkürzen, was dann auch so gemacht wurde. Vor dieser Phase benötigte der schnellste, jemals entwickelte und zugelassene Impfstoff 5 Jahre Testzeit. 

Teleskopierung bedeutet, dass die eigentlich hintereinander ablaufenden Sicherheitsprüfungen nicht nur stark verkürzt, sondern auch ineinander verschoben, also letztlich gleichzeitig durchgeführt werden. Der Begriff Teleskopierung wurde wohl bewusst anstelle des Begriffes Verkürzungen gewählt um das Verfahren neutraler zu beschreiben. Letztendlich bedeutet dieses Vorgehen, dass übliche Wartezeiten und Langzeitbeobachtungen so nicht stattfinden können. Neue Phasen und Arbeitsschritte beginnen auch schon, bevor die vorangegangenen Aufgaben endgültig ausgewertet wurden. 

Bisher galt in der Impfstoffentwicklung die Vorgabe, dass vor allem im Rahmen der sogenannten dritten klinischen Testphase unerwünschte Ereignisse oder Gründe, warum die Impfung nicht bei Patienten mit bestimmten Risikokriterien (z.B. Hochbetagte, multimorbide Patienten, Kinder, Schwangere etc) angewendet werden sollte. In praktisch allen Veröffentlichungen auch der pharmazeutischen Industrie, wurde dieser Bereich der sogenannten Impfstoffsicherheit vor der Entwicklung der Covid19 Impfstoffe als zentraler und eminent wichtiger Bereich herausgestellt. 

In diesen Prüfphasen geht es um Fragen der Verträglichkeit, möglicher embryonaler Schädigungen, dem Risiko der Krebsentstehung aber auch um zentrale Fragen im Bereich der Wirksamkeit. Dabei ist ein wichtiges Thema die Frage nach dem Erreichen der sogenannten sterilen Immunität durch die Impfung. Die sterile Immunität bedeutet, dass die Impfung nicht nur die geimpfte Person vor der Erkrankung schützt, sondern auch verhindert, dass der Erreger an andere Personen weitergegeben werden kann, was für die notwendige Unterbrechung der Infektionskette zentral relevant ist. Diese Fragen sind bei den Covid19 Impfstoffen bis heute ungeklärt, was mit der Verkürzung der Sicherheitsphasen zu tun hat. Ebenfalls ist zentraler Bestandteil der sogenannten Phase III der Sicherheitsstudien die Frage nach der Produktionstabilität um zu prüfen, ob die Qualität in allen Herstellungsphasen gleichbleibt. 

Bei den Covid19 Impfstoffen wurde die millionenfache Produktion schon begonnen bevor diese Phase III Studien abgeschlossen waren. Auffallend ist, dass die vorhandenen kritischen Stimmen aus der Wissenschaft, die genau solche Vorgänge kritisieren, in der Berichterstattung der Medien praktisch nicht berücksichtigt wurden. So auch die Aussage des Virologen William A. Haseltime (Mitbegründer des Human Genome Projects): "Die Teleskopierung von Testabfolgen ... setzt uns alle einem unnötigen Risiko im Zusammenhang mit der Impfung aus." (Juni 2020, Scientific American). 

Es muss auch bedacht werden, dass sich Coronaviren möglicherweise relativ rasch verändern und dadurch das in den Impfungen erzeugte Oberflächenprotein (Spike Protein) nicht mehr dem der mutierten Viren entspricht, was die Wirkung der Impfung reduzieren könnte. Zudem waren ältere Personen mit folgenden chronischen Vorerkrankungen, die als Risikofaktoren für die COVID- 19-Erkrankung bei Menschen ab einem bestimmten Alter gelten, bis jetzt nicht zu den Studien zugelassen: Personen mit Bluthochdruck, Diabetes, chronischer Lungenerkrankung, Asthma, chronischer Lebererkrankung sowie chronischer Nierenerkrankung (GFR <60 mL/ min/1,73 m2).

Aus diesem Grund ist momentan noch unklar, ob ältere Personen mit den genannten chronischen Vorerkrankungen geimpft werden sollten. Eine Zusammenfassung möglicher Ausschlusskriterien und Vorsichtsmassnahmen wird vorliegen, wenn die Studiendaten ausgewertet sind. Für die Zulassungsstudie von BNT162b wurden Ausschlusskriterien definiert, die online (z. B. unter clinicaltrials.gov) eingesehen werden können. 

Patienten, die eine bekannte klinische Vorgeschichte mit schweren Nebenwirkungen auf einen Impfstoff oder eine Allergie auf einen Bestandteil dieses Impfstoffs aufweisen, sind ebenso aus der Studie ausgeschlossen, wie Patienten, die Immunsuppressiva aufgrund einer anderen Erkrankung (z.B. Krebs oder Autoimmunkrankheiten) erhalten, oder Kortikosteroide einnehmen, oder eine klinisch relevante Vorgeschichte mit Blutge-rinnungserkrankungen haben, die eine intramuskuläre Impfung verhindern. Trifft eines dieser Kriterien zu, ist von einer Impfung zum aktuellen Zeitpunkt abzuraten. Zusammenfassend zeigen die aktuell zugelassenen Impfstoffe eine durchaus positive Wirkung und können zu abgemilderten Krankheitsverläufen einer COVID 19 Infektion führen. 

Beachtet und diskutiert werden muss aber die Frage nach der Sicherheit und Wirksamkeit in Bezug auf Unterbrechung der Infektionskette. Bestimmte negative Effekte können bei NUR im Rahmen von Langzeitbeobachtungen erkannt werden, diese fehlen aktuell aufgrund der verkürzten Prüf-Phasen im Rahmen der Zulassung. Wenn auf dieser Grundlage einer nicht geklärten Langzeitsicherheit geimpften Personen Privilegien zu erlauben mit dem Ziel die Impfhäufigkeit zu steigern, muss dieses Vorgehen ernsthaft widersprochen werden. 

Dieser indirekte Zwang darf nicht hingenommen werden, es muss akzeptiert werden, wenn sich jemand aufgrund der angegebenen Unsicherheit nicht zu einer Impfung zum aktuellen Zeitpunkt entscheiden kann. Es gibt eindrückliche Beispiele mit einem Impfstoff gegen HIV auf Basis eines Adeno-Vektor-Virus, der ca. 18 Monate nach der Impfung zu einem erhöhten Risiko führte an HIV zu erkranken! 

Dieses Risiko ist nur im Rahmen einer Langzeitbeobachtung zu erkennen gewesen. Die Entscheidung sich gegen Covid19 impfen zu lassen muss jeder Mensch persönlich und frei und ohne äusseren Druck fällen. Es darf nicht akzeptiert werden, dass durch soziale Zwänge bei einer nicht geklärten Langzeitsicherheit Menschen forciert werden, ihre Entscheidung zu treffen. 

Bei allen positiven Seiten und Hoffnungen muss ein kritischer Dialog und eine Diskussion über die Sicherheitsbedenken öffentlich erlaubt und sogar gefördert werden und nicht wie aktuell letztendlich unterbunden werden.